| Die Titanic und ihr Untergang Projektgruppe : "Titanic", Christian Meyer |
Ein Schiff der Superlative
Der Bau der britischen Titanic (von 1909 - 1912) fiel in eine
Zeit, in der Riesenschiffe bewundert wurden. Immer größere und
schnellere Schiffe konkurrierten um Passagiere. Das Erringen des "Blauen
Bandes" für die schnellste Überquerung des Atlantiks
wurde zum Prestigekampf zwischen großen Reedereien. Am 1. Oktober
1909 stellte der Fahrgastdampfer "Mauretania" der britischen Cunard Line
mit vier Tagen, 14 Stunden und fünf Minuten einen neuen Rekord für
die Atlantiküberquerung auf. Die Mauretania erreichte mit ihren
70 000 PS eine maximale Geschwindigkeit von 27 kn (Knoten d.h. sm / h ,
d.h. ca. 1, 85 km/h).
Nun plante die White Star Line den Bau von drei riesigen
Schiffen. Diese Schiffe der White Star Line sollten nicht die schnellsten,
sondern die geräumigsten und luxuriösesten Schiffe der Welt werden.
Als erstes wurde die Olympic, dann die Titanic gebaut. Die Pläne
für das dritte Schiff wurden aufgeschoben, doch die Arbeit an der
Olympic und der Titanic, schritt schnell voran. Die Pläne für
beide Schiffe waren zunächst identisch. Erfahrungen beim Bau ergaben
aber für die Titanic einige Änderungen: die Titanic wurde
noch größer und luxuriöser.
Eine beliebte Reklame war damals die Zeichnung des Querschnitts der
Titanic: Deck folgte auf Deck, eines prunkvolle und glänzender ausgestattet
als das andere: die Titanic hatte den Anspruch das luxuriösesten Schiff
der Welt zu sein. Die Kabinen und Räume der ersten Klasse wurden
im reichen Stil der "Belle Epoque" eingerichtet. Für die Unterhaltung
sorgten die Erbauer auf vielfache Weise. Das türkische Bad im 1. Stock
des siebenstöckigen, schwimmenden Palasthotels diente neben zahlreichen
Gymnastik- und Fitneßräumen, einem Schwimmbad und einem Squash
- Platz, dem körperlichen Ausgleich der Passagiere. Wer sich in den
Empfangshallen, im Speisesaal, im Restaurant, im Rauchsalon, an der
Bar und im Palmengarten nicht genügend amüsierte, konnte das
"Café de Paris" besuchen.
Die Namen der Schiffe waren Programm. Sie sollten die größten
Schiffe der Welt sein! Das effektive Gewicht von Schiffen entspricht ihrer
Wasserverdrängung. Diese betrug bei der Titanic bei 10,51 m
Tiefgang 66 000 t. Die Größe von Schiffen wird in Tonnen angegeben.
Die unbeladene Titanic hatte 21.831 t (Nettoregistertonnen), voll beladen
waren es 46.328 t (Bruttoregistertonnen, BRT).
Als die Titanic vom Stapel lief, war sie das größte Schiff
der Wett. Sie blieb es aber nicht lange, trotz der Katastrophe wurden bald
größere Schiffe gebaut: 1914 wurde das deutsche Luxusschiff
"Vaterland" gebaut: mit 291m Länge, 65 000 BRT und einer
Maschinenleistung von 65 000 PS war sie deutlich größer und
stärker als die Titanic.
Im Jahre 1939 wurde die britische "Queen Elizabeth" fertiggestellt,
sie hatte eine Länge von 300 m , ca. 85 000 BRT und einer Maschinenleistung
von 180 000 PS .
Titanic - damals ein technisches Wunder
Bruttoregistertonnen:
46.328
Länge: 269, 06 m
Größte
Breite: 28, 19 m
Höhe von der Schornsteinspitze bis zum Kiel: 53, 33 m
Täglicher
Verbrauch an Kohle auf Fahrt: 620 - 640 t, 174 Heizer
und Trimmer verfeuerten sie
in drei Schichten
Bunkerkohle: 6.000 t
Maschinenstärke:
46 000 PS
Maximalgeschwindigkeit: ca. 24 Knoten
Maschinenanlagen:
2 Kolbendampfmaschinen und 1 Niederdruckturbine
Kessel: 29
Decks: 10
Fahrstühle:
9, davon 4 Personenfahrstühle
Rettungsboote: 20
Kapazität
der Rettungsboote: 1.178 Personen Schwimmwesten: 3.560
Zugelassene
Personenzahl an Bord: 3.547
Auch immer schnellere Schiffe wurden weiterhin gebaut, so im Jahre 1929
die deutsche "Bremen" (mit ca. 28,5 kn) und 1939 die britische "Queen Mary"
(mit mehr als 31 kn.). Heutige Luftkissenboote erreichen Geschwindigkeiten
um 150 km/h.
Chronologie von der Vorgeschichte bis zum Untergang
1879: das Schiff "Arizona" rammt bei sehr dichtem Nebel in der Neufundlandbank
einen ca. 20m hohen Eisberg; ihr Bug wird völlig zerquetscht. Dennoch
kann das Schiff mit dem Heck voraus aus eigener Kraft nach St. John's /
Neufundland fahren: der vordere Kollisionsschrott bewahrte sie vor dem
Sinken.
1898: Morgan Robertson, ein pensionierter Offizier der britischen Handelsmarine,
schildert in seinem Roman "Futility - The Wreck of the Titan" die Jungfernfahrt
eines fiktiven, angeblich 'unsinkbaren' britischen Ozeanriesen "Titan".
Das Schiff kollidiert auf seiner beabsichtigten Rekordfahrt nach New York
City mit einem Eisberg, ca. 2000 Menschen kommen ums Leben, da zu wenige
Rettungsboote vorhanden sind !
1907 : Bei einem Abendessen in London planen Vertreter der Werft Harland
& Wolff in Belfast und J. Bruce Ismay von der Reederei White Star Line
den Bau von zwei Riesenschiffen (ein drittes sollte später hinzukommen),
die möglichst in Luxus und Größe die Konkurrenz übertreffen
sollen. Sie sollen vor allem die Cunard - Linie im Luxuspassagierverkehr
über den Atlantik schlagen.
29. Juli 1908 : Die Eigentümer von White Star, darunter Ismay,
genehmigen die Pläne für die Schiffe der "Olympic" - Klasse,
wie ihn die Werft unter Leitung von Thomas Andrew ausgearbeitet hatten.
31. Juli 1908 : Der Vertrag über den Bau der "Olympic", "Titanic"
und eines später zu bauenden dritten Schwesterschiffs (Brittanic)
wird unterzeichnet. Kosten: 1,5 Millionen Pfund. Auf beiden Seiten des
Atlantiks müssen neue Docks gebaut werden, die Schiffe von solcher
Größe aufnehmen können. Nach heutigem Geldwert kostete
die Titanic mindestens 800 Mio. DM.
16. Dezember 1908 bzw. 31. März 1909: Kiellegung der "Olympic"
bzw. der "Titanic" in Belfast
ca. September1910: die Gletscher am Jakobshavn - Fjord auf Grönland
"kalben" in diesem warmen Sommer besonders intensiv . Ungefähr
zu dieser Zeit entsteht dort der Eisberg . In den nächsten
anderthalb Jahren schmilzt er auf seinem Weg nach Süden zum größten
Teil. Aber die Überreste des relativ kleinen Eisbergs ragen im April
1912 immer noch ca. 15m aus dem Wasser.
20. Oktober 1910 : Erfolgreicher Stapellauf der "Olympic".
31. Mai 1911 : Erfolgreicher Stapellauf der "Titanic" im Beisein von
über 100.000 Menschen. Sie ist zur dieser Zeit das größte
bewegliche Objekt, das je von Menschen gebaut wurde. 22 t Talg, Seife und
Schmieröl werden verbraucht, um den Weg des Schiffes einzuschmieren
und vor dem ungeheuren Druck von rund 450 kg/cm ² zu schützen,
den der frisch gestrichene schwarze Rumpf aufbringt.
Januar 1912: 16 Rettungsboote aus Holz werden auf der "Titanic" installiert
(außerdem vier "ausklappbare" Notboote). Nach der Vorschrift des
britischen Handelsministeriums liegen die zwanzig Rettungsboote schon um
10% über der geforderten Kapazität.
31. März 1912: der Innenausbau wird abgeschlossen
2. April 1912, abends: Die Titanic nimmt Kurs auf Southampton.
6. April: Einstellungstag für den größten Teil der
Besatzung, Beladen des Schiffs.
10. April: Der erfahrene Kapitän Edward J. Smith übernimmt
das Kommando an Bord; er gilt als der am besten bezahlte und am meisten
bewunderte Kapitän aller Meere. Zahlreiche Passagiere gehen an Bord.
Die Jungfernfahrt der Titanic beginnt. Noch am gleichen Tag bricht sie
nach Cherbourg auf. Dort steigen weitere Passagiere zu; das Schiff
fährt weiter nach Queenstown (heute Cobh), Irland. Die Überfahrt
nach New York soll 6 - 7 Tage dauern.
11. April: weitere Passagiere gehen an Bord. Außerdem werden
1385 Postsäcke eingeladen, da die Titanic auch als Postschiff
(R.M.S. Titanic - Royal Mail Ship) diente. Als die Titanic von Queenstown
mit Kurs auf New York ablegt, befinden sich ca. 2207 Menschen an
Bord.
11. -12. April 1912 : Die "Titanic" legt bei schönem, ruhigen,
klarem Wetter 386 Meilen zurück.
12. -13. April 1912 : Die "Titanic" legt 519 Meilen zurück. Das
Wetter bleibt gut. Einige Eiswarnungen gehen ein, sind jedoch bei Überfahrten
bis April nicht Ungewöhnliches.
13. April: Es gehen weitere Warnungen vor Treibeis und Eisbergen
ein. Die vorbeifahrende "Rappahannock" ist bei der Durchquerung eines Eisfeldes
beschädigt worden und signalisiert Warnung vor starkem Packeis. Am
Abend bricht die Marconi - Funkanlage zusammen und wird am
nächsten Morgen wieder instand gesetzt .
Sonntag, 14. April: Nach dreitägiger ruhiger Fahrt mit einer Geschwindigkeit
von ca. 22,5 kn näherte sich die Titanic den berüchtigten
Neufundlandbänken. Sie befuhr die international vereinbarte südliche
Dampferroute, auf dem die Eis- und Nebelgefahr geringer eingeschätzt
wurde als auf der kürzeren, nördlichen Route.
9.00 Uhr : Die "Titanic" empfängt einen Funkspruch der "Caronia"
mit einer Warnung vor Treibeis und Eisbergen auf 42°N zwischen 49°
und 51°W.
11.40 Uhr : Das holländische Linienschiff "Noordam" berichtet
"viel Eis" etwa in derselben Position wie die "Caronia".
13.42 Uhr : Eisbergwarnung von der "Baltic". Große Mengen
Treibeis auf 41°51'N, 49°52'W etwa 250 Meilen vor der "Titanic".
Die Nachricht wird Kapitän Smith überbracht. Es gehen weitere
Warnungen vor Eisbergen ein, die jedoch nicht alle an die Brücke weitergegeben
werden. Der Kapitän bzw. seine Offiziere nahmen an diesem Tag mehrere
Eiswarnungen nicht ernst. Hätten sie aufgrund der Warnungen den Kurs
weiter südlich verlegt und mit Einbruch der Dunkelheit die Geschwindigkeit
gedrosselt (wie es Nachbarschiffe taten), wäre der Zusammenstoß
mit dem Eisberg vermutlich nicht erfolgt.
20.40 Uhr : Die Süßwasservorräten werden geprüft,
da daß Meerwasser knapp über dem Gefrierpunkt liegt.
21.40 Uhr : Warnung vor starkem Packeis und Eisberg geht von
der "Mesaba" ein (42° bis 41°25'N, 49° bis 50°30'W). Der
Funkspruch wird übersehen. Die Funker sind völlig mit privaten
Nachrichten für die Passagiere beschäftigt. Die Eiswarnungen
dieses Tages deuten auf ein riesiges Eisfeld rund 78 Meilen direkt voraus.
22.30 Uhr : Die Meerestemperatur sinkt unter 0°C.
22.55 Uhr : Etwa 10 bis 19 Meilen nördlich der "Titanic" wird
die "Californian" von Treibeis aufgehalten und funkt Warnungen an alle
näheren Schiffe. Als der Funker der "Californian" die "Titanic" ruft,
wird seine Eiswarnung durch ein rüdes 'Halten Sie sich heraus! Schluß
jetzt! Sie stören mein Signal. Ich stehe mit Cape Race in Verbindung'
unterbrochen. Der einzige Funker der "Californian" legt sich wie gewöhnlich
ins Bett.
22.30 Uhr: Der Ausguck nimmt leichten Dunst unmittelbar vor der "Titanic"
wahr. Weil die Sicht klar und das Meer ruhig war, vertrauten die Offiziere
dem Ausguck und behalten Kurs und Geschwindigkeit bei. Allerdings
blickten nur zwei Matrosen vom Mastkorb aus in die dunkle, mondlose Nacht,
allerdings auch noch ohne Fernglas! Kein weiterer Ausguck, weder am Bug
noch an den Seiten der Kommandobrücke, war postiert worden. Außerdem
besaß die Titanic keine Suchscheinwerfer, die bereits zur Ausstattung
moderner britischer Kriegsschiffe gehörten. So beruhte die Sicherheit
des damals größten Schiffes der Erde auf nur vier Augen!
23. 40 Uhr: Die "Titanic" fährt mit 22,5 kn, als südlich
der Neufundlandbank ein Eisberg gesichtet wird; er ragt 15 - 18 m über
das Wasser.. Der Ausguck meldet: "Eisberg voraus. Abstand 500 m.". Mit
Ferngläsern hätte der Eisberg auf größere Entfernung
erkannt werden können. Nach Aussage des Ausgucks sogar so früh,
um wahrscheinlich an dem Eisberg vorbei zu kommen. Der Offizier,
der in Vertretung des Kapitäns auf der Brücke stand, kommandiert:
Ruder hart Backbord , Maschinen voll zurück. Außerdem
betätigt ein Offizier den Hebel, der die wasserdichten Schotten unter
der Wasserlinie schließt. Der Steuermann dreht das Rad, so schnell
es geht. Die "Titanic" giert nach Backbord, dennoch rammt sie
den Eisberg schräg Steuerbords am Bug. Der Eisberg schrammt das Schiff
entlang und verschwindet wieder in der Nacht. Der Aufprall rüttelt
zwar die Besatzung im Vorderschiff durch, wird aber von vielen Passagieren
überhaupt nicht bemerkt. Von der Sichtung des Eisbergs bis zum Zusammenstoß
sind 37 Sekunden vergangen. Der Rumpf der Titanic wird unter der Wasserlinie
über ca. 100m aufgeschlitzt. Sofort dringt Wasser in die vorderen
fünf Schotten und überflutet das Vorderschiff. Die vom
Konstrukteur des Schiffes, Thomas Andrews, der sich auf dem Schiff befand,
angestellten Berechnungen ergeben, daß das Schiff nicht zu retten
ist und sinken muss. Die Titanic sei noch ca. 1 1/2 Stunden zu halten.
Die meisten Passagiere merken nichts davon.
23.50 Uhr : in den ersten zehn Minuten nach der Kollision steigt das
Wasser im Vorderschiff 4,20 m über Kiel. Die ersten fünf Abteilungen
laufen voll. Der 6. Kesselraum, 1,50 m über Kiel, wird 2,40 m hoch
überflutet. Die als "unsinkbar" gepriesene Titanic hatte einen doppelten
Boden und war in sechs Decks unterteilt; sie wurden von 16 wasserdichten
Schotten abgetrennt, die senkrecht durch das Schiff führten. Sie reichten
aber nicht weit genug hinauf. Die ersten beiden und die letzten fünf
Schotten reichten nur bis zum E - Deck. Dennoch konnte das Schiff selbst
mit zwei gefluteten Abteilungen noch schwimmen. Doch wirklich sicher wäre
es nur dann gewesen, wenn die Schotten entweder oben durch ein Schottendeck
verschlossen gewesen wären oder wenn alle Schotten bis zum Oberdeck
hinaufgereicht hätten. Sie endeten aber im 2. Stock, und so
schwappte das Wasser nach dem Unfall von Abteilung zu Abteilung über
und drückte den Bug in die Tiefe.
Mitternacht : Der Postraum, 7,20 m über Kiel, nimmt so viel Wasser
auf, daß die Postsäcke zu schwimmen anfangen. Die Kessel werden
stillgelegt, aus den Schornsteinen entweichen mit lautem Getöse riesige
Dampfwolken.
15. April 1912, 0 Uhr 5: Der Squash - Platz, 9,60 Meter über Kiel,
steht unter Wasser. Befehl, die Rettungsboote klarzumachen und Mannschaften
und Passagiere zu mustern. Von den schätzungsweise 2.227 Personen
an Bord ist nur für 1.178 Platz in den Rettungsbooten, wenn alle Rettungsboote
voll besetzt werden. Die ersten Passagiere werden geweckt. Die meisten
hatten das Unglück noch gar nicht bemerkt.
0.10 - 1.50 Uhr : auf der 10 bis 19 sm entfernten "Californian" sieht
man die Lichter eines Schiffs. Versuche, mit dem Schiff über Morselampe
Verbindung aufzunehmen, schlagen fehl. Raketen werden wahrgenommen, aber
da sie so niedrig über dem Schiffsdeck zu hängen scheinen und
kein Geräusch machen, wirken sie nicht wie Notraketen, und niemand
kümmert sich darum. Die Entfernung zwischen den Schiffen wird größer,
bis beide einander nicht mehr sehen können.
0 Uhr 15: Erste Notrufe werden über die Funkanlage
abgesetzt (35 min nach der Kollision) . Die "Carpathia" empfängt um
0.25 Uhr "zufällig" in 58 sm Entfernung den Notruf und bricht sofort
mit Höchstgeschwindigkeit zur Unglücksstelle auf. Auch Leuchtraketen
werden auf der Titanic abgefeuert (aber erst ca. eine Stunde nach der Kollision).
Es waren jedoch weiße Raketen, die üblichen roten hatte man
in Southampton vergessen.
0.20 Uhr: Das Wasser strömt in die Quartiere der Besatzung, fast
15 m über dem Kiel.
0 Uhr 45: Es erfolgt der Befehl, die Rettungsboote zu besetzen und
zu Wasser zu lassen (abfieren). Frauen und Kinder haben Vorrang.
Das erste Rettungsboot wird gefiert, gleich darauf ein zweites und drittes.
Sie hätten 240 Menschen aufnehmen können, aber es saßen
nur 63 in ihnen. Für viele Passagiere war das Sinken des Schiffes
noch immer undenkbar, andere hatten Angst in der kalten Nacht in ein Boot
zu steigen.
1.15 Uhr: Das Wasser steht bis zum Namensschild der "Titanic" am Bug.
Die Decksneigung wird stärker.
1.25 Uhr : Backbordboot 12 wird mit 40 Frauen und Kindern an Bord abgefiert.
Zwei Seeleute werden für das Boot eingeteilt. Nach dem Untergang der
"Titanic" wird es mit den Booten 4, 10, 14 und dem Notboot D zusammengebunden.
Später werden die Geretteten von einem Offizier von Boot 14 auf die
anderen Boote verteilt, damit er im Wasser treibende Passagiere aufnehmen
kann.
1.30 Uhr: Unter einigen Passagieren bricht Panik aus. Als Boot 14 mit
60 Personen an Bord, darunter auch ein Offizier, abgefiert wird, scheint
eine Gruppe von Passagieren in das schon volle Boot hineinspringen zu wollen.
Der Offizier gibt drei Warnschüsse ab. Die Notrufe der "Titanic"
klingen verzweifelt. "Wir sinken schnell", und "Frauen und Kinder in den
Booten. Wir halten nicht mehr lange durch".
1.40 Uhr: Ismay verläßt das Schiff mit Notboot C (39 Personen),
dem letzten Steuerbordboot, das noch abgefiert werden kann. Die letzte
Notrakete wird abgefeuert.
1.45 Uhr: unterwegs zur Unfallstelle hört die "Carpathia"
letzte Funksignale der "Titanic": "...Maschinenraum bis zu den Kesseln
vollgelaufen...". Das Backbordboot 2 wird mit 25 Personen abgefiert.
Es kann 40 aufnehmen.
2.00 Uhr: Das Wasser steht knapp 3 Meter unter dem Promenadendeck.
2.05 Uhr: Noch immer befinden sich über 1.500 Menschen auf
dem sinkenden Schiff. Notboot D ist eines der letzten verbleibenden Boote.
Es bietet 47 Personen Platz. Um einen Sturm auf dieses Boot zu vermeiden,
zieht ein Offizier seine Pistole (schießt wahrscheinlich auch in
die Luft) und Besatzungsmitglieder bilden eine Kette um das Boot und lassen
nur Frauen und Kinder an Bord. Das Boot wird mit 44 Personen abgefiert.
Das Vorderschiff der "Titanic" sinkt unter Wasser, die Decksneigung wird
immer steiler.
2.10 Uhr : Kapitän Smith entbindet die Funker von ihren Pflichten.
2.17 Uhr : ein Funker arbeitet weiter und versucht, einen letzten Funkspruch
abzusetzen. Kapitän Smith teilt den Besatzungsmitgliedern mit: "Jetzt
muß jeder für sich sorgen." Er kehrt auf die Brücke zurück
und erwartet dort das Ende. Thomas Andrew, der Erbauer der Schiffs, wird
zum letzten Mal allein im Rauchsalon der 1. Klasse gesehen, wo er ins Leere
starrt. Der Bug der "Titanic" taucht unter; dabei kommt das eingeklemmte
Notboot B frei, treibt aber kieloben. Die Bordkapelle hört auf zu
spielen. Viele Passagiere und Besatzungsmitglieder springen über Bord.
Der vordere Schornstein der "Titanic" bricht ab und begräbt einige
Schwimmer unter sich. Notboot A kommt frei; etwa zwei Dutzend Menschen
im Wasser können sich daran festhalten. Es taucht richtig herum auf,
wird jedoch unter Wasser gedrückt und stark überladen. Der Offizier
in Boot 14 rettet die Insassen kurz vor Morgengrauen. Fast die Hälfte
ist inzwischen erfroren.
2.18 Uhr: mit Getöse rutschen alle beweglichen Gegenstände
in der "Titanic" auf den untergegangenen Bug zu. Die Schiffsbeleuchtung
flackert auf und geht aus. Viele Überlebende sehen mit an, wie das
Schiff in zwei Teile auseinanderbricht. Das Vorderschiff sinkt.
2.20 Uhr - Das abgebrochene Achterschiff der "Titanic" sinkt kurz ins
Wasser zurück, stellt sich wieder gerade, läuft langsam voll
Wasser, hebt das Heck noch einmal steil in die Luft und geht dann langsam
unter. In diesem größten Schiffsunglück der Geschichte
im Frieden (bis zum Untergang der "Estonia" in den 90er Jahren) sterben
über 1.500 Menschen. Viele gehen im Sog des Schiffs unter, andere
erfrieren in der kalten See.
4.10 Uhr: die "Carpathia" kommt bei den Rettungsbooten an; in der Zwischenzeit
waren sie, zusammen mit den anderen Überresten der Titanic und vielen
Eisstücken ca. 18 sm nach Süden gedriftet. Als erstes wird Boot
2 von der "Carpathia" aufgenommen.
8.30 Uhr: Als letztes wird Boot 12 von der Carpathia aufgenommen. Der
Offizier Lightoller geht als letzter Überlebender an Bord. Die "Californian"
kommt neben der Carpathia an und kreuzt im Katastrophengebiet, um noch
einmal nach Überlebenden zu suchen. Die Carpathia rettet mehr
als 700 Menschen aus den Booten. Der Generaldirektor der White - Star -
Line, J. Bruce Ismay , gehört zu den Überlebenden:
Er bleibt sein ganzes Leben lang gesellschaftlich geächtet.
15. April: die Carpathia fährt mit den Überlebenden an Bord
den ganzen Tag an einem besonders großen Packeisfeld entlang.
18. April 1912, 21 Uhr: Die Carpathia kommt in New York an. Sie
überholt Boote mit Scharen von Zeitungsreportern, die auf Nachrichten
lauern. Als sie an der Freiheitsstatue vorbeifährt, sehen 10.000
Menschen zu. Die Rettungsboote der "Titanic" hängen an den Seiten
der Carpathia. Sie fährt flußaufwärts bis zu den Piers
der White Star Line, um dort die Boote der "Titanic" abzusetzen. Dann kehrt
sie zum Cunard - Pier zurück, und hier gehen die Überlebenden
endlich von Bord.
18. April 1912: von Halifax /Nova Scotia aus sticht ein Schiff in See,
das im Auftrag der White Star Line die Toten der Katastrophe suchen soll.
Die meisten aufgefundenen toten Auswanderer werden an Ort und Stelle im
Meer bestattet. Insgesamt 219 schwer identifizierbare Leichen von Passagieren
der 1. und 2. Klasse werden zurück nach Halifax gebracht. In Halifax
werden 150 nicht identifizierte Opfer begraben.
24. April 1912 : Als das Schwesterschiff der "Titanic", die "Olympic",
aus Southampton auslaufen will, streiken die Heizer. Sie wollen nicht auf
einem Schiff arbeiten, das nicht genug Rettungsboote mitführt. 285
Besatzungsmitglieder desertieren, und die Reise der "Olympic" wird abgesagt.
ca. 1. Mai 1912: bis spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte
der Eisberg auf seinem weiteren Weg nach Süden gänzlich geschmolzen
sein.
19. April - 21. Juni 1912: Offizielle Untersuchungen der Katastrophe
in den USA und in Großbritannien. Verurteilt werden u.a.
? Das britische Handelsministerium wegen seiner veralteten Richtlinien
hinsichtlich der Rettungsboote
? Kapitän Smith wegen seiner Nicht - Beachtung der vielfältigen
Eis - Warnungen
? Die "Californian" wegen ihrer Nicht - Beachtung der Notsignale von
der Titanic
April 1913: die internationale Eispatroullie wird eingerichtet, die
die Schiffahrtswege im Nordatlantik unter Führung der amerikanischen
Küstenwache überwacht.
Februar 1914: Das zweite Schwesterschiff der "Titanic", die "Britannic"
läuft vom Stapel.
September 1916: Die in ein Lazarettschiff umgebaute "Britannic" wird
von deutschen Minen in der Ägäis versenkt (in den letzten Jahren
wurde das Wrack wieder aufgefunden).
1917: die "Californian" wird von deutschen U - Booten versenkt
1918: die "Carpathia" wird von deutschen U - Booten versenkt
1935 : Nach 24 Jahren Einsatz, darunter auch Kriegsdienst als Truppentransporter,
wird die "Olympic" außer Dienst gestellt. Sie hat den Atlantik 500
Mal überquert, anderthalb Millionen Meilen zurückgelegt und sich
dabei ihren Namen 'Old Reliable' (die Zuverlässige) verdient.
Die Klassenunterschiede an Bord der Titanic
1. Klasse
3. Klasse
324 Menschen
708 Menschen
beliebige Gepäckmengen, z. B. Mrs. Cardeza: 14 Truhen, 4 Koffer,
3 Kisten
50 Kilo Gepäck pro Person
Unterbringung auf den oberen Decks
Unterbringung in Bug und Heck des Schiffsrumpfs
u.a. Suiten ; die Luxussuite John Jacob Astors kostet 1500,- Pfund;
Astor galt als einer der reichsten Männer der Welt; Mehrbett
- Kabinen; die Fahrkarte kostet durch- schnittlich 10 Pfund; das entspricht
etwa der damaligen Jahresmiete einer 3 - Zimmer - Wohnung in London
Speisesaal mit 523 Plätzen Speisesaal mit 473 Plätzen (Essen
in zwei Schichten)
eigenes Bad (so groß wie eine Vierbettkabine der 3. Klasse)
zwei Badewannen für alle
Bibliothek, Schwimmbad, Türkisches Bad, Gymnastikraum, Squash
- Halle
ärztliche Untersuchung vor Abfahrt vorgeschrieben
In der 2. Klasse reisten 277 Passagiere. die teilweise die Angebote für die erste Klasse nutzen konnten. Die Aufgänge von der 3. Klasse zur 2. Klasse waren durch Gitter getrennt. Überlebt haben:
1. Klasse
2. Klasse
3. Klasse
Männer
33 %
8 %
13,5 %
Frauen
97 %
87,5 %
51 %
Kinder
80 %
100 %
37,5 %
Die Passagiere der 3. Klasse wurden laut verschiedener Darstellungen
nach der Kollision an der Flucht auf das obere Deck gehindert, bis die
meisten Rettungsboote nicht einmal voll besetzt von Bord gelassen waren.
Fakt ist: Es haben 62 % der Passagiere der 1. Klasse überlebt, 42,5
% der 2. und nur 25,5 % der 3. Klasse. Obwohl die Parole galt, "Frauen
und Kinder zuerst", wurden überproportional viele Männer aus
der 1.Klasse gerettet!
Die Klassenunterschiede setzten sich bis in den Tod hinein fort.
Dies zeigte sich zum einen nach der Bergung von Ertrunkenen. Während
die Toten aus der 1. Klasse in Holzsärgen beerdigt wurden, bestattete
man die ärmeren Opfer v.a. in Segeltuch, bzw. übergab sie direkt
an Ort und Stelle der See. Der unterschiedliche Wert von Leben wurde zum
anderen schließlich in harten Dollars sichtbar. 1916 zahlte die White
Star Line Entschädigungen an die Überlebenden: ein Toter der
ersten Klasse war demnach bis zu 50.000 $ wert, ein Auswanderer ca. 1.000
$.
Richter Lord Mersey stellte in dem Abschlußbericht der britischen
Untersuchungskommission zum Untergang der Titanic fest: "Es hat keinerlei
Diskriminierung gegenüber 3. Klasse - Passagieren bei der Rettung
von Leben stattgefunden."
Auswirkungen und Mythen zur Titanic
"Wir bauten das Schiff so, daß es schwimmen konnte. Wir bauten es nicht, damit es gegen einen Eisberg oder eine Klippe fahren konnte. Unglücklicherweise geschah genau das" (Alexander Carlisle, einer der Direktoren der Werft Harland & Wolff, die die Titanic gebaut hatte, vor dem britischen Untersuchungsausschuß).
Der Glaube der modernen Welt an die Technik, den Fortschritt und die
Allmacht der Wissenschaft war nach dem Untergang der Titanic zutiefst erschüttert.
Der Bau der Titanic war eine technische Meisterleistung. Sie war der Stolz
ihrer Konstrukteure, Höhepunkt schiffstechnischer Entwicklung, Symbol
für Fortschritt in einer Zeit des technischen Aufbruchs. So brach
mit dem Schiffsrumpf der Titanic auch der absolute Glaube an technischen
Fortschritt. In der renommierten "Propyläen - Weltgeschichte" heißt
es: "In den Gewässern des Nordatlantiks gipfelte die internationale
Konkurrenz der Technik in einem hektischen Wettlauf der Schiffahrtslinien
um Geschwindigkeits- und Größenrekorde, bis mit der Titanic
- Katastrophe 1912 die Ernüchterung kam" (vgl. Bd. IX, S. 32).
Dabei hätte sich die Katastrophe voraussehen lassen, meinte der
Schriftsteller Joseph Conrad 1912: "Man baut ein 46000 Tonnen Hotel aus
dünnen Stahlplatten, um die Gunst von tausend reichen Leuten zu gewinnen;
man dekoriert es im Stil der Pharaos und von Louis Quinze, um diesen albernen
Individuen zu gefallen, die mehr Geld in der Tasche haben, als sie ausgeben
können, und unter dem Beifall zweier Kontinente schleudert man diese
Masse mit 2 000 Menschen an Bord mit 21 Knoten übers Meer - dann passiert's"
'
Die Katastrophe machte erhebliche Mängel in den Sicherheitsvorkehrungen
deutlich. Die vorhandenen Rettungsboote konnten nur 1178 Personen fassen.
Auch fehlte es an verbindlichen Vorschriften für den Funkverkehr.
So konnte die nur 32 km von der Unglücksstelle entfernte Californian
den Notruf nicht entgegennehmen, weil die Funkstation nicht besetzt war
. Daraufhin wurden bis 1914 verbindliche Regeln im Bereich der Telegraphie,
für die Ausstattung mit Rettungsbooten, für navigatorische Sicherheitsmaßnahmen
und für die Festlegung von sicheren Dampferrouten aufgestellt.
Für alle Passagiere mußten auf den Schiffen nun Plätze
in Rettungsbooten zur Verfügung stehen, so beschlossen es die nationalen
und internationalen Gremien; zu jeder Stunde des Tages und der Nacht mußte
auf jedem Schiff ein Funker erreichbar sein; eine "Internationale Eiswache"
wurde eingerichtet, die die Schiffe vor Eisbergen warnen sollte.
Das Wrack - Suche und Erforschung
Die zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes mit dem Eisberg errechnete
Position der Titanic wurde zwar telegrafisch übermittelt: 41'46'N.
50' 14'W. Dennoch war das Wrack schwer zu orten, denn es sank natürlich
nicht genau an der Stelle des Unglücks auf den Meeresboden.
Zahlreiche Versuche schlugen im Laufe der Jahre fehl.
18. November 1929: Man nimmt an, daß ein Erdbeben bei den Grand
Banks einen riesigen Unter- wasserschlammrutsch verursacht hat, der wahrscheinlich
das im selben Gebiet ruhende Wrack der "Titanic" begraben hat.
1963: Projekte und Versuche, das Wrack aufzufinden, setzen ein.
Doch die meisten Ideen scheiterten an der technischen Undurchführbarkeit
und dem Mangel an Geldgebern.
Juli 1980: Der amerikanische Unternehmer und Entdecker Jack Grimm finanziert
eine wissenschaftliche Expedition, die nach dem Wrack der "Titanic" suchen
will. Wegen schlechten Wetters und Gerätepannen gelingt es ihr nicht,
die "Titanic" zu finden.
1980: der Meeresbiologe Robert Ballard die amerikanische Marine für
die Idee, gemeinsam mit seinem Institut ein Unterwassersuchsystem zu entwickeln;
die Marine dachte dabei an eine militärische Verwendung - Ballard
dachte an die Titanic.
Juni 1981: Grimms 2. Expedition zur "Titanic" startet, doch auch diesmal
wird das Wrack nicht gefunden.
Juli 1983 : Auch auf der letzten von Jack Grimm finanzierten Expedition
gelingt es nicht, die "Titanic" zu entdecken.
1. September 1985: Die französisch - amerikanische wissenschaftliche
Expedition unter der Leitung Ballards entdeckt und fotografiert schließlich
die Überreste des Wracks der "Titanic" in einer Tiefe von 3.740 Meter
auf dem Meeresboden. Die Expedition wurde sowohl von IFREMER, dem französischen
staatlichen Institut für Meeresforschung als auch von der US-amerikanischen
Navy unterstützt.
Bug- und Heckpartie der Titanic liegen in einem Abstand von ca. 600
Metern in dem Bereich der Koordinaten 41'44'N, 49'55'W in ca. 3 800
m Tiefe. Die Fundstätte des Wracks liegt etwa 13,5 sm südöstlich
der Notrufposition der Titanic. Durch die Einwirkung von Rost, Mikroorganismen,
Pilzen und Bakterien werden nach und nach alte Überreste der Titanic
verschwinden.
Vier Tage lang nehmen zwei Kameraschlitten mit 20 000 Bildern die Reste
des versunkenen Palasthotels auf Leichen und Knochen können sie nicht
ausmachen, denn die waren bereits von Bakterien völlig aufgelöst
worden. Die Kameras zeigen um das Wrack herum ein riesiges Trümmerfeld,
mit u.a. Kohlen, Koffern, Kupferpfannen, Silberplatten, Sprungfedern, Nachttöpfen
und Weinflaschen, die sich nach ihrer Form identifizieren lassen: Madeira,
Portwein, Champagner und Bordeaux.
August 1986: Ballard kehrt mit einer 2. Expedition zur "Titanic" zurück.
Er läßt sich mit einem Tauchboot zum Wrack hinab, um es
mit Hilfe eines Roboters noch genauer zu untersuchen. In elf Tiefseefahrten
von je vier Stunden Dauer erkundet er das Wrack. Fast 4km unter der Oberfläche
des Atlantiks, bei fast 400 atm Druck, geistern die Scheinwerfer durch
ewige Nacht, mit Spezialfilmen von höchster Empfindlichkeit macht
die Expedition 6000 Fotos und 60 h Videoaufnahmen. Der Roboter wird,
vom U - Boot aus gesteuert, ins Innere des Wracks gelenkt, um dort Aufnahmen
zu machen. Robert Ballard: "... Mir ging es ... um die wissenschaftlich
reizvolle Aufgabe, die 'Titanic' aufzusuchen und zu filmen. Daneben
hat dieser Plan aber sicherlich auch einen romantischen Winkel in meiner
Seele angesprochen, den Unterwasserabenteurer, den U - Boot - Cowboy.
Die Helden meiner Kindheit waren erdachte und erträumte Entdecker
an den technischen Grenzen der Naturwissenschaft, Männer wie Kapitän
Nemo und seine 'Nautilus' bei Jules Verne" (vgl. "Das Geheimnis der Titanic.
3800 Meter unter Wasser", a.a.O. S. 31).
Seit 1987 finden Bergungsarbeiten am Wrack statt. Nach den Vorgaben
eines US-amerikanischen Gerichts darf alles, was beweglich ist, geborgen
werden. Das Wrack selbst darf bei diesen Bergungsarbeiten nicht beschädigt
werden. Bisher wurden bei Expeditionen in den Jahren 1987, 1993,
1994 und 1996 ca. 4.000 Objekte geborgen. Mit dem Tauchboot "Nautile"
werden die Fundstücke am Meeresboden aufgelesen. Die Bullaugen
der Nautile bestehen aus 20 cm dickem Spezialglas, die kugelförmige
Passagierkapsel hat einen Durchmesser von 2.,1 m und faßt drei Personen.
Der Mantel besteht aus 13 cm dickem Titanstahl. Die Nautile ist 8
m lang, 18 t schwer, und bewegt sich am Meeresboden mit einer Geschwindigkeit
von 1 kn. Die Sichtweite beträgt bei voll aufgeblendeten Scheinwerfern
in dieser Tiefe maximal 10 m, die äußere Wassertemperatur
liegt bei l° C.
1995/ 96: während der Herstellung des ca. 200 Mio. US - $ teuren
Films "Titanic" tauchte James Cameron u.a. selbst zum Wrack der Titanic
herab.
August 1996: ein Versuch - vor den Augen von 1700 zahlenden Touristen
- einen Teil des Wracks der Titanic zu heben scheitert, da die Seile rissen.
Die Bergung der Titanic ist wegen der großen Tiefe wohl sehr
schwierig. Das Lösen eines Schiffes aus dem Bodenmaterial am Meeresgrund
ist deshalb so schwierig, weil der zum Auftrieb nötige Wasserdruck
unterhalb des Schiffes fehlt.
Das endgültige Schicksal der Titanic ist noch immer nicht entschieden.
Die Bergung des Wracks und seiner - angeblichen - Schätze steht noch
aus. Es bleibt also die Verlockung für zahlreiche Abenteurer
und Schatzsucher.
Andere Schiffskatastrophen
Die größte Schiffskatastrophe der Geschichte der Seefahrt ereignete sich im 2. Weltkrieg: am 30. April 1945 wurde die "Wilhelm Gustloff" in der Ostsee von einem sowjetischen U - Boot torpediert. Vor der pommerschen Küste fanden ca. 5000 deutsche Flüchtlinge, v.a. aus Ostpreußen den Tod.
44 Jahre nach dem Untergang der Titanic kam es zu einem vergleichbaren
Unglück: am 25. Juli 1956 kollidierten das italienische Passagierschiff
"Andrea Doria" (29 083 BRT) und der schwedische Dampfer "Stockholm" ca.
100 sm vor der US - Küste. Insgesamt gerieten ca. 2300 Menschen in
akute Lebensgefahr.
Die 1952 gebaute Andrea Doria hatte bereist 100mal den Atlantik überquert
und galt als "unsinkbar": 10 von oben nach unten durchgehende stählerne
Schotte teilten das Innere des Rumpfes in 11 wasserdichte Abteilungen.
Sämtliche Durchgänge konnten von der Zentrale aus in wenigen
Sekunden hydraulisch geschlossen werden. Beide Schiffe waren mit modernen
Radar - Anlagen ausgerüstet.
Die Kollision ereignete sich im Bereich der "Neufundlandnebel", dort
wo der eiskalte Labradorstrom auf den warmen Golfstrom trifft. Die
Sichtverhältnisse wechseln rasch, die Nebelhörner sind oft in
Aktion. Beide Schiffe erfaßten sich gegenseitig per Radar,
als sie - auf Kollisionskurs - noch ca. 17 sm voneinander entfernt waren.
Der weitere blieb z. T. unklar; die Aussagen der Vertreter beider Schiffe
auch vor dem späteren Untersuchungsausschuß waren gegensätzlich:
jedenfalls versuchten beide Schiffe einander auszuweichen, jedoch in der
gleichen Richtung. So kam es um 23. 21 Ortszeit zur Kollision. Die Stockholm
traf mit ihrem für Eisfahrten verstärkten stählernen Bugsteven
in spitzem Winkel auf die Steuerbordseite der Andrea Doria und riß
auf ca. 15 m Länge und 10m Höhe ihre Bordwand auf: durch das
riesige Leck hätte bequem ein Fischkutter fahren können. Im Bereich
der Kollision waren eine Reihe von Passagieren eingeschlossen, eingeklemmt
und schwerverletzt.
Das Wasser schoß ins Innere des Schiffes und zwei Abteilungen
liefen in kurzer Frist voll. Sofort wurden von der Brücke aus sämtliche
noch unversehrten Schotte geschlossen. Jedoch arbeiteten die Schotte wegen
der heftigen Kollision nicht korrekt. Manche der Schotte schlossen sich
nur unvollständig, so daß das Wasser unaufhörlich in die
benachbarten Abteilungen strömte. Darüber hinaus arbeitete die
Pumpanlage durch den Stoß nur mangelhaft, so daß das eindringende
Wasser auch nicht gelenzt (lenzen = seem. "leer pumpen") werden konnte.
Da auch die Generatoren beschädigt waren, versagten die Pumpen bald
völlig. Bereits nach den ersten bekam die Andrea Doria leichte Schlagseite
(trk. yan yatmak).
Auf der Stockholm war der Bugbereich völlig zusammengedrückt
und zerstört. In den Überresten des Bugs entdeckte man der Kollision
zwei Passagiere der Andrea Doria, die bei der Kollision in die Stockholm
geschleudert worden waren. Einer der beiden, eine Frau, war tot, der andere,
ein vierjähriges Mädchen lebte und konnte gerettet werden. Die
Reste des Bugraums und des vorderen Laderaums der Stockholm liefen voll
Wasser, aber die geschlossenen Schotte hielten, in die 2. Abteilung lief
kein tropfen Wasser: niemand hier geriet in Gefahr.
Die Andrea Doria dagegen hatte nach wenigen Minuten bereits 30 °
Schlagseite. Durch die Schlagseite konnten nur die 8 an der Backbordseite
befindlichen Rettungsboote zu Wasser gelassen werden. Diese aber reichten
nicht für die 1600 Menschen an Bord der Andrea Doria.
Beide Schiffe sendeten Notrufsignale; viele Schiffe kamen zu Hilfe,
auch war die Küste noch recht nah (im Verhältnis zur Titanic).
Auch die Stockholm ließ Rettungsboote für die Schiffbrüchigen
der Andrea Doria ins Wasser. Um 2.22 - drei Stunden nach der Kollision
- wurden die ersten Geretteten aufgenommen. Um 4.58 hatte die Andrea Doria
schon 60° Schlagseite. Bis auf 50 Vermißte konnten alle Schiffbrüchigen
gerettet werden. Um 10.09 Uhr ging die Andrea Doria unter.
"Eine sich immer schneller entwickelnde Gesellschaft ... ist
immer der Gefahr der Selbstüberschätzung ausgesetzt, der Ansicht,
man sei unwiderstehlich in seiner Macht und der ewigen Verteidigung und
der Eroberung - einst die Meere und nun die Luft und das Alt. Es
gäbe einige Orte, die unversehrt geblieben wären, trugen sie
große Schilder mit der Aufschrift: 'Vergeßt niemals die Titanic!'
" (J.B. Priestley , zitiert nach Holger von der
Ley / Claes-Göran Wetterholm: "Expedition Titanic - Auf der
Suche nach einem Mythos", a.a.O., S. 13)
L i t e r a t u r :
Rick Archbold / Dana McCauley: "Das Letzte Dinner auf der Titanic
- Mit 50 Rezepten und Menüs von dem
legendären Luxusliner", Heyne Verlag, München 1997
Robert D. Ballard / Rick Archbold: " Das Geheimnis der Titanic. 3800
Meter unter Wasser", Ullstein Verlag.
Berlin, 1997
Robert D. Ballard / Ken Marschall (Ill.): "Die Suche nach der Titanic.
Wie das größte Schiff, das je unterging,
gefunden wurde", übers. von Helmut Mennicken, Tessloff Verlag,
Nürnberg, 1988
Lawrence Beesley: " Titanic - Augenzeuge der Katastrophe", aus dem
Engl. von Rolf W. Baak, Schiffahrts -
Verlag Hansa, Hamburg 1997
Lawrence Beesley: "Tragödie der Titanic - Letztes Geheimnis gelüftet?
", aus dem Engl. von Rolf W. Baak,
Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, 1997,177 S.-
Richard Brown: "Voyage of the Iceberg - The Story of the Iceberg that
sank the Titanic", James Leviner
Publishers, Toronto, 1983
Clive Cussler: "Hebt die Titanic !", Goldmann Verlag, München,
1996
John P. Eaton / Charles A. Haas: " Titanic - Triumph und Tragödie
- Eine Chronik in Texten und Bildern",
Heyne Verlag, München, 1994
John P. Eaton / Charles A. Haas: " Titanic - Legende und Wahrheit",
Heel Verlag, Königswinter 1997
Hans Magnus Enzensberger: "Der Untergang der Titanic - Eine Komödie",
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am
Main, 1981, Kiepenheuer & Witsch, Köln,
1995
Josef Pelz von Felinau: "Titanic - Die Tragödie des Ozeanriesen",
Verlag Maindruck. Frankfurt am Main,
Neuaufl., 1986
Robin Gardiner / Dan van der Vat: " Die Titanic - Verschwörung
- Die Geschichte eines gigantischen
Versicherungsbetrugs", C. Bertelsmann Verlag, München,
1996
Erik Fosnes Hansen: "Choral am Ende der Reise", aus dem Norwegischen
von Jörg Scherzer, Verlag
H. Hesse: "Der Untergang der Titanic - Bericht eines Überlebenden",
Pendo Verlag, Zürich, 1986
Holger von der Ley / Claes - Göran Wetterholm : "
Expedition Titanic - Auf der Suche nach einem Mythos",
Verlag Franckh - Kosmos, Stuttgart, 1997
Walter Lord: " Die letzte Nacht der Titanic", Neuer Kaiser Verlag,
Klagenfurt, 1978.
Walter Lord: "Die Titanic Katastrophe - Der dramatische Untergang des
Luxusdampfers", Heyne Verlag,
München, 1992
Walter Lord: "A Night to remember", Holt, Rimkert & Winston, New
York City, 1976, 2. Auflage
Donald Lynch / Ken Marschall (Ill.): " Titanic - Königin
der Meere - Das Schiff und seine Geschichte", Heyne
Verlag, München, 1997
Geoffrey Marcus : "The Maiden Voyage", Viking Press, New York City,
1969
Otto Mielke: "Ozeanriesen - Glanz und Untergang", Lux - Lesebogen Nr.
376, Murnau, München, Innsbruck,
Basel, o. J.
Otto Mielke: " SOS - Von den Feuerschiffen und dem Seenotrettungsdienst",
Lux - Lesebogen Nr. 376, Murnau,
München, Innsbruck, Basel, o. J.
Wolf Schneider: "Mythos Titanic - Das Protokoll der Katastrophe
- drei Stunden, die die Welt erschütterten", Bechtermünz Verlag,
Augsburg, 1997
Stiftung Lesen (Hrsg.) : "Titanic - Spurensuche - Ideen für den
Unterricht", Mainz 1997
Geoff Tibballs: "Titanic - Der Mythos des 'unsinkbaren' Luxusliners",
Gondrom Verlag, Bindlach, 1997
"Titanic - komplette Anleitung zum Selberbauen", Taschen - Verlag,
Köln, 1993
Shelley Tanaka / Ken Marschall (Ill.): " Auf der Titanic - Augenzeugen
berichten", Carlsen Verlag, Hamburg, 1997
Federico Di Trocchio: "Newtons Koffer - Geniale Außenseiter,
die die Wissenschaft blamierten", Campus Verlag, Frankfurt am Main, 1998
Jack Winocur (Hrsg.): "The Story of the Titanic as told by its
Survivors", Dover Publishing, New York City, 1960
Internet - Adressen:
http://members.aol.com/JMoistner/index.htmt
http://www.gens.no/history
http://gil.ipswichcity.qtd.gov.au/ ~dalgarry/time.htmt
http://members.ao1.com/MNichol/ Titanic.FAQ.htmt
http://menutt.mit.edu/TitanicPage.html
http://pages.prodigy.com/unsinkable_Titanic/home.htm
http://titanic.abendblatt.de
http://www.jason.org/JASON/ GHTML/PEOPLE_ballard.html
http://www.lib.virginia. edu/cataloging/vnp/titanic/titanic1 html
http://www2.titanicl.org/titanic1
http://www.silverquick.com/signup2.html
http://member.aol.com/CAMCARD/titanic.index.htmt
http://www.geotics.com/Heartland/Hills/8835/titanic.html
Bildunterschriften:
Der vermutliche Weg des Eisbergs
Die Carpathia nimmt Schiffbrüchige der Titanic auf
Der Eisberg, der die Titanic sinken ließ ??
Am 15. April 1912 nahmen Reisende des deutschen Schiffs "Prinz
Adalbert" südlich der Unglücksstelle dieses Photo eines Eisbergs
auf. Beobachter glaubten Reste roter Farbe an dem Eisberg gesehen zu haben.
Die Titanic sinkt